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Rhein-Sieg-Anzeiger, 21.01.2016, Sandra Ebert
 
Haydar Zorlu brachte sein „Faust-Solo“ zum 250. Mal auf die Bühne
Gemeinsam mit den SchĂĽlern des Bodelschwingh-Gymnasiums stand Schauspieler Haydar Zorlu in Herchen auf der BĂĽhne.
 

Windeck. Mephisto haspelt. Er fuchtelt. Windet sich. Er stottert und zuckt, krabbelt auf allen Vieren und heischt um Aufmerksamkeit. Der Teufel, scheint’s, leidet unter ADHS. Und Haydar Zorlu spielt ihn mit Genuss.

Vom roten Scheinwerferlicht lässt er sein Gesicht dämonisch anleuchten, hüpft wie Rumpelstilzchen hinter den schwarzen Samtvorhang und taucht als Dr. Faust mit hochnäsig gerümpfter Nase und sonorer Stimme wieder auf.

Der „Faust“ als Ein-Personen-Stück, auf 80 Minuten zusammengeschrumpft: So bringt der türkische Schauspieler, der zwischen Istanbul und Eitorf pendelt, Goethes Klassiker seit einigen Jahren auf die Bühne. 35 000 Zuschauer haben sein „Faust-Solo“ bereits gesehen, das Zorlu jetzt im Bodelschwingh-Gymnasium in Herchen zum 250. Mal aufführte. Seit 2009 spielt er es regelmäßig in Istanbul – auf Deutsch und auf Türkisch. Vor fünf Jahren gründete er das einzige deutsch-türkische Theater in Istanbul.

Der 48-Jährige gibt das keusch-naive Gretchen ebenso wie die pragmatisch-verschlagene Marthe Schwerdtlein, geht sich im Duell zwischen Dr. Faust und Gretchens Bruder Valentin selbst an die Gurgel, ist Schauspieler und Conferencier zugleich. Als Requisiten dienen ihm ein roter Samtstuhl und der schmale Samtvorhang, über den er ab und an mal drüberschaut und erklärend durch das Stück führt. Auf Kostüme verzichtet der 48-Jährige, der in diversen Theater-, Film- und Fernsehproduktionen spielte. Seine Mimik, mal exaltiert, mal auf das Lüpfen einer Augenbraue beschränkt seine Stimme, seinen Körper: mehr setzt Haydar Zorlu nicht ein. Und mehr braucht es auch nicht, um die Zuschauer zu fesseln.

Zu sagen, er habe Gründgens gut studiert und reihe in einer Art „Faust“ im Zeitraffer die Passagen aneinander, die auch Jahrzehnte nach dem Schulabschluss jeder Abiturient noch zitieren kann, wird Zorlus Stück nur zum Teil gerecht. Seine Stärke liegt vielmehr darin, Atmosphäre zu schaffen. Personen zum Leben zu erwecken, die selbst dann noch auf der Bühne zu stehen scheinen, wenn er einen Schritt zur Seite gemacht hat und in eine andere Rolle geschlüpft ist.

Ganz allein stand Haydar Zorlu in Herchen allerdings nicht auf der Bühne: Die Deutsch-Leistungskurs-Schüler der 11. Klasse des Bodelschwingh-Gymnasiums unterstützten ihn. In zwei Workshops hatten Schauspieler und Schüler die einmalige Aufführung gemeinsam erarbeitet. Und auch hier überzeugte der Minimalismus mit großer Wirkung – wenn die Stimmen der Schüler flüsterten und murmelten, ihre Hände auf den Bühnenboden schlugen, Mephistos übergroßer Schatten zwischen ihren Leibern aufragte. Wohlverdient war der begeisterte Beifall für dieses erste Projekt einer Kooperation zwischen der Schule und dem Windecker Matineeverein. Zu Recht wurde Haydar Zorlus Kurz-Version des „Faust“ gefeiert, in das er schnelle Passagen auf Türkisch und so manche Anekdote einstreut. „Wie zeitgemäß das Stück ist, hängt doch nur davon ab, wie man es auf der Bühne zum Leben erweckt“, sagt Zorlu.

 
Ein roter Samtstuhl ist die einzige Requisite, die der Schauspieler Haydar Zorlu für sein „Faust-Solo“ benötigt. Foto: Ebert
 
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