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Kölner Stadt-Anzeiger, Janine Christgen, 13.10.08
Theaterschlachten mit BĂŒhnenwĂŒterich
Dramatik, Komik und Wahnwitz bestimmen die Vorpremiere von Kai Magnus Stings „Theaterschlachten“. Der Kabarettist spĂŒrt im Haus des Gastes den SkurrilitĂ€ten der alltĂ€glichen ÜberlebenskĂ€mpfe nach.
Kai Magnus StingWindeck - „GekĂ€mpft wird immer!“ - das behauptet zumindest Kai Magnus Sting, der mit seinem neuen Programm „Theaterschlachten“ eine Vorpremiere im Haus des Gastes in Herchen gab. Scharfsinnig und wortgewaltig spĂŒrte Sting den tĂ€glichen ÜberlebenskĂ€mpfen nach. Große Gesten und Wortsalven, die er gleich einem Maschinengewehr ohne Punkt und Komma, scheinbar ohne Punkt und Komma, gar ohne Atem zu holen aneinanderreiht, sind Stings Markenzeichen. Er ist ein WĂŒterich auf der KabarettbĂŒhne, der mit intellektuellem Wortwitz begeistern kann und in dieser Weise das „Theater des Daseins“ in all seiner Dramatik, Komik und seinem Wahnwitz in Herchen darzustellen suchte.

SkurrilitĂ€ten des alltĂ€glichen Daseins werden von Sting aufmerksam beobachtet und pointiert sowie scharfzĂŒngig aufbereitet auf die BĂŒhne gebracht. Er warnt vor der „Gerontokratie“, der Übernahme der politischen LandesfĂŒhrung durch die rĂŒstigen Alten, die sich durch Nordic Walking fit halten. FrĂŒher habe noch der SĂ€belzahntiger fĂŒr natĂŒrliche Selektion und eine ausgewogene Alterspyramide gesorgt.

Sting fragt, was von der Aussage „Tun Sie mich mal dem Gehackten“, zu halten ist und sinniert ĂŒber „WellkĂ€se-Brötchen a.D,“ die in Theaterkantinen zu finden seien. Auch dem tĂ€glichen „Theater“ am Bahnschalter widmet er sich. Dort muss er einen aussichtslosen Kampf mit dem Service am Fahrkartenschalter ausfechten, trotz der recht detaillierten Angabe, eine Fahrkarte der 2. Klasse von Duisburg nach Hamburg, am kommenden Freitag um 12.45 Uhr ohne Umsteigen im Nichtraucherwagen des ICE, am Fenster mit Sitzplatzreservierung, Bahncard 50 und Punktesammelsystem erstehen zu wollen.

Zeitweise wird dann doch deutlich, dass man sich in einer Vorpremiere befindet und Sting noch ein paar Ecken und Kanten des neuen Programms bearbeitet, bevor er die „Theaterschlachten“ in Hamburg zur Premiere bringt. Die Schilderung der Auslagen und örtlichen Gegebenheiten in der Theaterkantine ergehen sich in einer allzu ausladenden FĂŒlle und bieten entbehrliche, gar zu dezidierte Beschreibungen. Auch die nachfolgende Szene, in der sich Othello, Macbeth, Maria Stuart und Mephisto in selbiger Kantine versammeln, um die Frage zu klĂ€ren, wer nun der „wahre Klassiker“ sei, bringt zwar interessante Ideen und fasziniert durch Stings FĂ€higkeit, verschiedene Figuren durch je eigene Sprachdukten zum Leben zu erwecken, ermĂŒdet aber gleichzeitig durch scheinbar unendliche Wiederholungen ohne Zielpunkt. An Themenbezug, Zusammenhang und Zielorientierung schien es dem neuen Programm ohnehin noch ein wenig zu mangeln.

Potenzial, das steht zweifellos fest, besitzt Sting, der 30-jĂ€hrige Nachwuchskabarettist. Bleibt zu hoffen, dass sich das neue Programm nach dem Feinschliff des Rohdiamanten noch zur furiosen BĂŒhnenshow ohne lĂ€hmende LĂ€ngen entwickeln wird. Oder mit den Worten Stings: „GlĂŒck auf!“.

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02.09.2018,
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