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Extra-Blatt, 25.11.2011, Sylvia Schmidt
 
Margie's Solo mit ├ť-50
Springmaus-Liebling zum Niederknien
 

In der Pause bandelte Margie Kinsky mit ihrem Publikum im Haus des Gastes in Herchen an und ging mit ihnen auf Tuchf├╝hlung. Foto: Schmidt
 

Foto: Schmidt
Windeck (sc). Kabarettistin Margie Kinsky geht es ├Ąhnlich wie einer Bulimie-Kranken, nur dass es bei ihr weniger ums Essen geht, sie kann vom Leben nicht genug bekommen. Mit der Suppenkelle scheint sie jede noch so kleine Begebenheit zu begr├╝├čen, abzusch├Âpfen und im gro├čen Topf zu horten.

Sodann wird das Sammelsurium t├╝chtig zum Brodeln gebracht und als Programm "Margie legt los" aufgetischt. Im Haus des Gastes in Herchen mundete das erste Solo-Programm vom Mitglied des Bonner Springmaus-Ensembles einfach g├Âttlich. F├╝r Freunde von feinem Schnickschnack mit entsprechender Etikette hatte Kinsky nicht angerichtet, bei ihr wird das Beste bodenst├Ąndig in gro├čen Mengen aufgefahren, damit blo├č alle satt werden.

"Wichtig ist, sich das Leben sch├Ân zu machen. Ein Solo-Programm mit 50 Jahren alleine ist nicht sch├Ân", deshalb hatte Kinsky sich einige Freundinnen ins erste eigene Programm geschrieben, in deren Rollen sie schl├╝pfte. Ihr Talent zur Improvisation bewies sie gleich zu Beginn, als sie sich quer durch die Reihen mit den Zuschauern unterhielt und deren Namen im Laufe des Abends immer wieder einflocht.

Zu Demonstrationszwecken, wie schwierig f├╝r Eltern der Einkauf mit Kleinkindern im Supermarkt ist, holte sie Klaus aus Blankenberg auf die B├╝hne und ├╝bernahm selbst die Rolle der vierj├Ąhrigen Tochter Paula. Das Publikum quietschte vor Vergn├╝gen als Paula auf den Knien rutschend alle Register zog, um ihren Vater zum Kauf von zwei ├ťberraschungseiern zu bewegen. Die Sache kulminierte in einer Durchsage von der Kasse: "Wir bitten den Vater der kleinen Paula mit seinen Eiern zurecht zu kommen."

Wie aus dem Wasserhahn sprudelten unabl├Ąssig Geschichten von ihren sechs S├Âhnen, deren Freunden und von Ehemann Bill Mockridge aus Kinsky's Mundwerk. "Das ist alles im Familienrat abgesprochen worden", verriet Mockridge in der Pause. Quer durch den Lebensdschungel erntete Margie Kinsky die Fr├╝chte und mischte als ahnungslose Marita Nettekoven einen Swinger-Club in der Eifel auf. Selbst in der Pause g├Ânnte sich die temperamentvolle Wucht aus Italien keine Ruhe.

Sie nutzte die Gunst der Stunde, um allerlei Bekanntschaften zu schlie├čen, bezog dann in der Rolle der Maria aus Italien auf der Treppe Position, erkl├Ąrte die Pause f├╝r beendet und begr├╝├čte jeden Zuschauer schnell noch einzeln, bevor sie auf der B├╝hne so manche Gepflogenheit ihrer urspr├╝nglichen Heimat als sehr lebenstauglich entlarvte, um unkompliziert durchs Leben zu kommen. "Wenn mein Sargdeckel zugeht, will ich sagen k├Ânnen, wie geil war das denn."


Foto: Schmidt

 
 
 
 
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