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Rhein-Sieg-Anzeiger, Iris Zumbusch, 24.01.12
 
Bonus-Meilen für den Joghurt-Becher
Mit ihrem Programm „Plan B“ haben Heiner Kämmer und Reiner Rübhausen das Publikum im Haus des Gastes in Herchen ordentlich zum Lachen gebracht. Während es im Weltgeschehen kriselt, hat ihr Genre Hochkonjunktur.
 
Heiner Kämmer und Reiner Rübhausen (Bild: ib)
Windeck - In Zeiten, in denen es eigentlich nichts zu lachen gibt, ist das Lachen an sich ein gesunder Reflex. Davon sind die Kabarettisten Heiner Kämmer und Reiner Rübhausen überzeugt. Während es im Weltgeschehen kriselt, hat ihr Genre Hochkonjunktur. Der Fundus an Politikern, die auf die kabarettistische Schippe gehören, ist groß. Da heißt es zugreifen, denn irgendwo muss das Lachen ja herkommen. Und Lacher erzeugen, das können „Heiner und Reiner“.

Jedenfalls bewiesen sie das grandios im Haus des Gastes in Herchen. „Wir haben extra unsere guten Anzüge angezogen“, parlierte Rübhausen zum Programmbeginn. Das Publikum ahnte, dass die gewählte Kleidung in wunderbarem Kontrast zu dem stehen würde, was das wortgewandte Duo im Verlauf des Abends in den Raum züngeln würde. „Wir hatten einen Verteidigungsminister, der aussieht wie Lothar Matthäus, und nun haben wir einen Außenminister, der Englisch spricht, wie Lothar Matthäus.“ So könne es nicht weitergehen. „Wupp, die Provinz brennt“, verkündeten Kämmer und Rübhausen und verwiesen auf ihren „Plan B“. So betiteln sie ihr Programm, mit dem sie für Lachsalven sorgen.

Idealer Jungbrunnen

„Wir haben Witze im Gepäck, die Sie schon kennen“, warnte Kämmer noch. Während tatsächlich in „Plan B“ manche bekannte Posse auftauchte, fand diese im verbalen Schlagabtausch zwischen Kämmer und Rübhausen, übrigens in Windeck zu Hause, einen idealen Jungbrunnen. Bissig und wortwitzig manövrierten sie ihren Plan B durch das Zeitgeschehen. Dabei zielten sie nicht nur personenbezogen, sondern streiften mit gestochen scharfem Blick querbeet durch die Themenlandschaft fragwürdiger Umstände. Wie etwa jene Reise, die ein Joghurt hinter sich bringen müsse, bis er schlussendlich fertig produziert beim Verbraucher lande.

Zwischen Melken bis Endverkauf lägen tausende Kilometer. Da könne manch ein Joghurt schon eine „Miles and More“-Karte vorweisen. Ökologisch unkorrekt sei dies alle Male, aber das Leben im unsanierten Backsteinbau sei es ebenso, schoss Kämmer gegen den gespielt kleinlauten Rübhausen, der demnach in einem solchen lebt. Der konterte mit der Manie der Styropor-Dämm-Dödel.

Einig waren die beiden sich wieder bei einem Gedankenspiel für „Nichtfahrer“. Ideal sei es doch, wenn Autobesitzer ihr Gefährt einfach stehen ließen und dafür belohnt würden. Das könnte funktionieren, indem sie sich etwa Geld aus der Parkuhr herausholen dürften anstatt fürs Parken zu bezahlen. Das hätte Männergespräche wie diese zur Folge: „Sag’ mal, was parkt Deiner denn so in der Stunde?“

Im Übrigen, wie solle es weitergehen, in Zeiten, in denen sich die Menschen aus dem Internet medikamentieren und in der Apotheke nur noch magersüchtige Gestalten mit der Lebensfreude eines Rheumamittels am Verkaufstresen stünden, richteten sie den Blick weiter. Die Zuhörer hatten jedenfalls an diesem Abend genug zu lachen und das, obwohl es eigentlich doch nichts zu lachen gibt.

„Wir nennen 2012 das Kulturjahr“, hatte Karl-Heinz Dahm, Vorsitzender des veranstaltenden Matineevereins den Gästen eingangs zugerufen, um auf das gut bestückte Programm hinzuweisen. Der Auftakt war jedenfalls famos.

 
 
 
 
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